Arteriosklerose: Symptome, Behandlung & Folgen | Ratgeber Cholesterin

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Wenn die Gefäße verkalken – alles zum Thema Arteriosklerose

Arterien transportieren sauerstoff- und nährstoffreiches Blut vom Herzen zu den anderen Organen. Wenn diese Blutgefäße verkalken (Arteriosklerose), kann das den Blutfluss und damit auch die Sauerstoffversorgung bestimmter Körperregionen einschränken. Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung dieses Prozesses spielen genetische Faktoren. Menschen mit einer erblichen Veranlagung für hohe LDL-Cholesterinwerte können mitunter schon in jüngeren Jahren Gefäßveränderungen entwickeln.1
Eine weitere Ursache der Arteriosklerose kann ein ungesunder Lebenswandel sein. Klassische Risikofaktoren sind eine fett- und zuckerreiche Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen.2 Lesen Sie hier alles über Symptome, Behandlung und Folgen.

Arteriosklerose versus Atherosklerose

Beide Begriffe werden oft synonym benutzt, was aus medizinischer Sicht allerdings nicht ganz richtig ist. Denn Arteriosklerose bezeichnet allgemein Erkrankungen der Arterienwände, während Atherosklerose die dortige Ablagerung von fetthaltigen Plaques (Ansammlung von Lipiden und anderen Stoffen wie weißen Blutkörperchen) beschreibt. Atherosklerose gehört demnach genaugenommen zu den arteriosklerotischen Erkrankungen. Da die Erkrankung in der Bevölkerung als „Arteriosklerose“ bekannt ist, verwenden wir diesen Begriff auch im folgenden Text.3

Arteriosklerose erklärt: Das passiert im Körper

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Arteriosklerose ist ein Sammelbegriff für krankhafte Veränderungen der Arterien. Dazu zählen auch Ablagerungen (sogenannte Plaques) an den Wänden der arteriellen Blutgefäße. Zu vergleichen ist dies beispielsweise mit einer verkalkten Wasserleitung. Neben Fetten und fettähnlichen Substanzen (Lipiden), wie dem LDL-Cholesterin, enthalten diese auch andere Bestandteile wie zum Beispiel weiße Blutkörperchen. Da die Ablagerungen mit der Zeit wachsen, entstehen Engstellen (Stenosen), durch die das Blut nicht mehr reibungslos hindurchfließen kann.4
Im fortgeschrittenen Stadium der Arterienverkalkung verliert die Gefäßwand ihre natürliche Elastizität. Der Durchmesser des Gefäßes wird dann so gering, dass ernste Durchblutungsstörungen die Folge sein können.
Wenn Plaques einreißen, kann sich ein Blutgerinnsel (geronnenes Blut innerhalb eines Blutgefäßes) bilden. Dies kann möglicherweise einen Verschluss des ohnehin bereits verengten Blutgefäßes mit sich bringen und in manchen Fällen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Folge haben.4,5

herzinfarkt
Wo tritt Arteriosklerose gehäuft auf?
Eine Arteriosklerose in den Beinarterien ist Ursache für die periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK.
Neben dieser Ausprägungsform sind die Halsschlagader, die Hirnarterien sowie die Herzkranzgefäße besonders häufig von der Arterienverkalkung betroffen. Verengen sich die Gefäße im Bereich des Herzens immer weiter, kommt es zu einer Minderversorgung des Herzmuskels: Die Herzmuskelzellen erhalten zu wenig oder gar keinen Sauerstoff sowie Nährstoffe, wodurch sie sogar absterben können. Letztendlich kann sich zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder ein Herzinfarkt entwickeln.6

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Welche Symptome treten bei Arteriosklerose auf?

Die Gefäßverkalkung ist ein schleichender Prozess und kann mitunter über mehrere Jahre hinweg unbemerkt bleiben. Je nachdem, in welchen Körperregionen sich arteriosklerotische Ablagerungen bilden, kann sich die Erkrankung in verschiedenen Anzeichen (Symptomen) bemerkbar machen:
  • Arteriosklerose der Herzkranzgefäße: Hat sich die Verkalkung im Bereich des Herzens gebildet, kann eine koronare Herzkrankheit (KHK) entstehen. Sie geht unter anderem mit Kurzatmigkeit und Brustenge (Angina pectoris) einher. Wenn der Durchmesser eines Herzkranzgefäßes um circa 70 Prozent verringert ist, hat die betroffene Person ein besonders hohes Risiko, zum Beispiel einen Herzinfarkt zu erleiden.7
  • Arteriosklerose in den Beinen: Die auch als Schaufensterkrankheit bezeichnete periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) macht sich durch Symptome wie Schmerzen beim Gehen und im späteren Verlauf auch durch belastungsunabhängige Schmerzen bemerkbar.8
  • Arteriosklerose der Gehirngefäße: Durchblutungsstörungen des Gehirns können einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) auslösen.9 Ischämisch bedeutet, dass der Hirninfarkt auf eine plötzliche Minderdurchblutung von Nervenzellen zurückzuführen ist (im Gegensatz zum hämorrhagischen Schlaganfall, der durch eine Einblutung ausgelöst wird). Er tritt meistens plötzlich auf und kann sich zum Beispiel durch Sprachstörungen, Gesichtsfeldausfälle und/oder Lähmungserscheinungen äußern.10

Wichtig:

Bei Arteriosklerose handelt es sich um eine systemische, also das Blutgefäßsystem im gesamten Körper betreffende Erkrankung: Ist eine Arterie betroffen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch in anderen Bereichen Plaques bilden.11

Das sind die Risikofaktoren für Arteriosklerose

Neben nicht beeinflussbaren Risikofaktoren wie dem Alter, dem Geschlecht und der genetischen Veranlagung können verschiedene weitere Faktoren die Bildung von Plaques in den Arterien begünstigen. Dazu zählen:12
  • ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel (genetisch bedingt oder aufgrund eines ungesunden Lebensstils)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
Bei der sogenannten familiären Hypercholesterinämie liegt eine erbliche Störung des Fettstoffwechsels vor, die an die Kinder vererbt werden kann. Rund einer von 500 Menschen ist davon betroffen. Die Erkrankung zählt damit zu den häufigsten genetischen Erkrankungen in Deutschland.13

Wieso begünstigt Bluthochdruck (Hypertonie) die Arteriosklerose?

Herrscht im Blutgefäßsystem dauerhaft ein zu hoher Druck, belastet er täglich die Gefäßwände.14 Diese Beanspruchung verursacht mikroskopisch kleine Verletzungen, an denen sich unter anderem Fette wie Cholesterin ablagern können. Die normalerweise elastische Gefäßwand verhärtet zunehmend.15 Dies begünstigt wiederum weitere Ablagerungen, wodurch der Blutdruck erneut steigt – ein Teufelskreis entsteht.16

Warum verursacht Rauchen Arteriosklerose?

Der Konsum von Tabak kann direkt zu Veränderungen an den Gefäßwänden führen und beeinflusst vor allem die Entstehung von Arteriosklerose in den Herzkranzgefäßen. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Auftreten koronarer Herzkrankheiten. So sind laut einer Studie circa 76 Prozent der Patienten, die vor dem 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt erleiden, Raucher.17
Zusätzlich kann sich der Tabakkonsum auf den Cholesterinspiegel auswirken. So senkt er den Gehalt des HDL-Cholesterins im Blut und steigert den des LDL-Cholesterins. Arterien, die bereits eine Gefäßverkalkung aufweisen, ziehen sich beim Rauchen noch weiter zusammen und das Blut wird insgesamt dickflüssiger.18
Daher gilt: Aufhören lohnt sich! Egal, wie lange Sie schon Raucher sind, sobald Sie darauf verzichten, können Sie Ihr Risiko für einen Herzinfarkt verringern.18

Wie sieht die Behandlung einer Arteriosklerose aus?

Viele Betroffene fragen sich nach der Diagnose einer Arteriosklerose, ob die Gefäßverkalkung heilbar ist und die Plaquebildung rückgängig gemacht werden kann. Nach derzeitigem Stand der Forschung ist eine Heilung der Arteriosklerose nicht möglich. Die gute Nachricht lautet aber: Eine konsequente Therapie kann ihr Voranschreiten aufhalten und das Risiko für Folgeerkrankungen senken.19
Ein wichtiger Schritt ist das Anpassen des Lebensstils. Folgende Maßnahmen könnten Sie selbst initiieren:
  • mit dem Rauchen aufhören.
  • regelmäßige Bewegung im Alltag einbauen.
  • gesunde Lebensmittel im Speiseplan integrieren.
Leiden Sie an Diabetes und/oder Bluthochdruck, wird Ihr Arzt in der Regel bestimmte Maßnahmen ergreifen, um den Blutzuckerspiegel und den Blutdruck korrekt einzustellen. Wenn die Arterienverkalkung schon sehr weit fortgeschritten und die Versorgung bestimmter Gefäße bereits beeinträchtigt ist, kann die verengte Arterie auch interventionell (gezielt invasiv, also ein Eingriff in den Körper), zum Beispiel mittels eines Katheters oder Stents, geweitet werden. Ob eine Behandlung mit Medikamenten und/oder ein operativer Eingriff zur Behandlung der Arteriosklerose notwendig ist, entscheidet ein Facharz.19

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Lässt sich einer Arteriosklerose vorbeugen?

Maßnahmen zur Vorbeugung und zur Behandlung einer Arteriosklerose ähneln sich stark. So sollten Sie folgende Tipps berücksichtigen, um Ihre Blutgefäße gesund zu halten:
  • Viel bewegen und gesund ernähren: Ausdauersport, Krafttraining, viel Gemüse und pflanzliche Öle wie Olivenöl oder Sonnenblumenöl in Maßen (mit Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren) halten die Gefäße elastisch und können einer Arteriosklerose vorbeugen.
  • Den LDL-Cholesterinspiegel im Auge behalten: Gerade der LDL-Cholesterinwert spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Gefäßverkalkungen. Halten Sie ihn niedrig.9
  • Nicht rauchen: Der Konsum von Tabak schlägt sich negativ auf die Gefäße nieder.13 Verengungen und der Verlust an Elastizität werden beschleunigt und eine Arteriosklerose kann entstehen.
  • Stress vermeiden: Auch Stress kann die Bildung von Plaques begünstigen.20 Zur Stressbewältigung können sich verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training (Form der Selbsthypnose), Meditation oder Yoga eignen.21
Und: Versuchen Sie generell Übergewicht zu vermeiden, denn auch das zählt zu den Risikofaktoren einer Arteriosklerose.11

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  1. Cattaruzza, M., Guzik, T. J., Słodowski, et al. (2004). Shear stress insensitivity of endothelial nitric oxide synthase expression as a genetic risk factor for coronary heart disease. Circulation research, 95(8), 841-847.
  2. Deutsche Gefäßliga e.V.: Arteriosklerose. URL: http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesserkrankungen/arteriosklerose (31.03.2020).
  3. Thieme Via medici: Arteriosklerose. URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/5019650/subject/innere+medizin/gef%C3%A4%C3%9Fe+angiologie/arterien/arteriosklerose (07.12.2020).
  4. Libby, P. (2002). Atherosclerosis: the new view. Scientific American, 286(5), 46-55.
  5. Kammel, D. (2015). Die Wichtigsten Strategien–Verdacht auf Herzinfarkt. ergopraxis, 8(01), 34-35.
  6. Patienten-information.de: Koronare Herzkrankheit – wenn sich die Herzgefäße verengen. URL: https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/koronare-herzkrankheit (31.03.2020).
  7. Deutsche Gefäßliga e.V.: Verengung der Halsschlagader (Carotisstenose). URL: http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesserkrankungen/carotisstenose (08.11.2019).
  8. Deutsche Gesellschaft für Angiologie Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.: PAVK. URL: https://www.dga-gefaessmedizin.de/patienten/arterielle-erkrankungen/pavk.html (31.03.2020).
  9. Neurovaskuläres Netzwerk Südwestbayern: Ischämischer Schlaganfall. URL: http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Neurovaskulaeres-Versorgungsnetzwerk/de/schlaganfall-info-fuer-patienten/mehr-ueber-den-schlaganfall/schlaganfallformen/ischaemischer_schlaganfall/index.html (21.07.2020).
  10. Schubert, F., & Lalouschek, W. (2006). Schlaganfall. In Klinische Neuropsychologie (pp. 303-314). Springer, Vienna. URL: https://link.springer.com/chapter/10.1007/3-211-32303-1_23 (21.07.2020).
  11. Deutsche Gefäßliga e.V.: Arteriosklerose. URL: http://www.deutsche-gefaessliga.de/index.php/gefaesserkrankungen/arteriosklerose (21.07.2020).
  12. Mach, F., Baigent, C., Catapano, A. L., Koskinas, K. C., Casula, M., Badimon, L., ... & Graham, I. M. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk The Task Force for the management of dyslipidaemias of the European Society of Cardiology (ESC) and European Atherosclerosis Society (EAS). European Heart Journal.
  13. Ärzteblatt: Familiäre Hypercholesterinämie – Entwicklungen in Diagnostik und Behandlung. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/161185/Familiaere-Hypercholesterinaemie (18.12.2020).
  14. Baaken, Maximilian: Einfluss von Blutdruck induziertem und mechanischem Endothelschaden auf die Endothelfunktion. Dissertation. Heinrich Heine Universität Düsseldorf 2018. URL: https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DocumentServlet?id=47978 (30.03.2020).
  15. Schuster, Iris: Prospektive Studie über die Endothelfunktion renaler Gefäße bei hypertensiven Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2. Dissertation. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 2013. S. 7.
  16. Universität Witten/Herdecke: Patientenleitlinie Bluthochdruck. URL: http://www.patientenleitlinien.de/Bluthochdruck/bluthochdruck.html (30.03.2020).
  17. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: Rauchen ist wichtigster Risikofaktor für frühen Herzinfarkt – Schon jugendliche Gefäße durch Zigaretten gefährdet. URL: https://dgk.org/pressemitteilungen/2014-esc-congress/2014-esc-aktuelle/tag4-2014-esc-aktuelle/rauchen-ist-wichtigster-risikofaktor-fuer-fruehen-herzinfarkt-schon-jugendliche-gefaesse-durch-zigaretten-gefaehrdet/ (18.12.2020).
  18. Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: Fakten zum Rauchen. URL: https://www.dkfz.de/de/rauchertelefon/download/FzR_Herz-Kreislauf.pdf (18.12.2020).
  19. Internisten im Netz: Behandlung der Arteriosklerose. URL: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/arteriosklerose/behandlung-der-arteriosklerose/ (18.12.2020).
  20. Deutsche Apothekerzeitung: Stress treibt Cholesterin langfristig hoch. URL: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2005/daz-48-2005/uid-15016 (05.02.2020).
  21. Sonntag, A. (2016). Stressbewältigung durch Meditation: Eine Einführung für Psychologen, Berater und soziale Berufe. Springer-Verlag. URL: https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=xZ-qDAAAQBAJ&oi=fnd&pg=PR5&dq=stressbew%C3%A4ltigung+meditation&ots=biqbwkMZaS&sig=hPZS7RnbjKOl3EAlRA51mKAF5mw&redir_esc=y#v=onepage&q=stressbew%C3%A4ltigung%20meditation&f=false (21.07.2020).

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